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Kunst kommt von Können, aber auch von Müssen.
Gekonnt hatte er es schon immer: Als wir 14 waren, schleppte der heute 40-jährige Schulfreund, Hymnuschorknabe und Pianist mich in ein Konzert mit Chet Baker, erzählte mir damals was von Johann Sebastian Bach, dem Erfinder des Walking-Basses, und zeigte uns auf dem Klavier, wie der Duke seine Soli anlegte. Später traf ich ihn wieder. Da war er Lehrer, Dirigent, Chorleiter und Vater. Pädagoge war er schon immer. Mit seinem sicheren Gespür für das Mögliche sah er nicht nur das, was war, sondern auch das, was noch sein könnte. Er war derjenige, der auch mich an mein Instrument heranführte. Das geschah im elterlichen Wohnzimmer in Bad Cannstatt. Wieland am Klavier, Olaf am Fagott und ich an der Geige. Wir spielten „Hey Jude“ von den Beatles. Auch bei mehrmaligem Spielen klang es einfach nicht so wie auf der Platte. Der Mann am Klavier erkannte mit sicherem Gespür, was zu ändern war, drehte sich zu mir um und sprach: „Udo, du lernst jetzt Gitarre!“

 

„Sirkle“ und die Assoziationen zum englischen „Circle“: Kreis. Der schloss sich auch bei uns letztes Jahr im Spätsommer, als wir uns wieder trafen. Herrn Kleinbub plagte die kreativ-musikalische Verstopfung. Der Vulkan war immer tätig gewesen, aber zum Ausbruch war es bisher nicht gekommen. Er hatte immer Musik gemacht, andere Menschen zur Musik gebracht, Kompositionen anderer aufgeführt. Es war an der Zeit, seine Musik zu präsentieren. Man konnte es in seinen Augen funkeln sehen: Der Kampf Emotionen gegen fundiertes musikalisches Wissen war wieder aufgenommen. Ausgelöst von einer Stadt, die das perfekte Bühnenbild bot für den Spätromantiker Kleinbub. Begegnungen im Katalysator(t) Wien, die das Nötige taten, etwas ans Licht zu bringen, das schon lange wartete: Die erste Solo-CD des Wieland Kleinbub.

Udo Schöbel, Berlin

www.udoschoebel.de

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